Katzenzusammenführung


Grundsätzlich kann man, wenn man weiss wie, jede Katze zu jeder gewöhnen. Das beste Beispiel sind Tierheime, wo die Katzen notgedrungen in grossen Gruppen zusammenleben und das fast immer harmonisch und freundschaftlich. Sie gehören zu denen, die sich nicht von Anfang an zu zwei Katzen durchringen konnten? Das ist schade, aber jederzeit korrigierbar. In dem vergangenen Jahr (oder Jahren) sind sie zu der Erkenntnis gelangt, dass ihre zweifellos liebevolle Zuwendung und Fürsorge doch nicht ganz ausreicht für ihre ausschliesslich in der Wohnung lebende Katze. Eine zweite Katze muss her, aber wie macht man das richtig?

Wenn die Katze, die schon bei ihnen wohnt, ein Kater ist, ist das Alter des neuen Tieres ganz entscheidend. Ein Kater ist, von einem ½ Jahr bis wenigstens 1 1/2 Jahren, ein Halbstarker. Er benimmt sich zeitweise wie die "Axt im Walde", übermütig bis unverschämt, rabaukig bis gewalttätig, frech und unter Umständen angriffslustig. Das alles meint er überhaupt nicht böse, es entspricht einfach seiner männlichen Natur. Das heisst, dass man nicht riskieren sollte zu so einem "jungen Wilden" und das auch noch in einer Wohnung, wo die Möglichkeiten auszuweichen begrenzt sind, eine kleine Kätzin dazu zu nehmen. Einem jungen Kater von einem halben bis ca. zwei Jahren, muss das zweite Tier körperlich und kräftemässig gewachsen sein, sonst endet die Zusammenführung in den meisten Fällen in einer Katastrophe. Zu einem älteren Kater können sie im Regelfall alles nehmen. Von einer ganz kleinen Kätzin bis zu einem gleichaltrigen oder leicht älteren Tier, als er es selbst ist.
Wenn ihr Kater über 10 Jahre ist, fängt er langsam an ruhiger zu werden, das heisst, er ist schon bald kein wirklich adäquater, passender Partner mehr für ein sehr junges, extrem spielfreudiges Tier.
Die Super-Lösung in diesem Fall zwei junge Tiere dazu. Ihr Kater kann dann die Rolle des toleranten, manchmal erziehenden Onkels übernehmen ohne Nonstop von zwei verrückten Wilden belästigt zu werden.
Kater verhalten sich Neuzugängen gegenüber meistens neugierig und freundlich. Nicht so die Kätzin, solange sie selbst noch sehr jung ist, bis zu ca. 1 Jahr, wird es, bei entsprechend vorsichtiger Vorgehensweise und einem bisschen Glück, einigermassen einfach sein, sie mit einer zweiten Katze zusammen zu gewöhnen. Ist sie älter, kann es schon schwierig werden. Selbstverständlich gibt es auch hier wieder Ausnahmen von der Regel.

Völlig falsch wer es, zu glauben, dass weibliche Katzen "Hurra" schreien, wenn man ihnen eine junge Katze vor die Nase setzt. Sie ist zwar für ihre eigenen Kinder die vorbildlichste Mutter die man sich denken kann; sie ist es, wenn sie selber gerade Junge hat, so stark, dass sie sich von einer im gleichen Haus oder Hof lebenden Kätzin die Kinder zu den ihren hinzu "stiehlt". Völlig verfehlt wäre es, zu glauben, eine Katze bringe, nur weil sie ein Weibchen ist, gegenüber fremden Katzenkindern Muttergefühle auf. Wenn das geschieht, ist es eine seltene, glückliche Ausnahme.

Zu einer vorhandenen Kätzin ist es immer vernünftiger ein etwa gleichaltriges Tier zu nehmen, und auch dann wird sie erst einmal "herumzicken".
Ausser bei ganz kleinen Katzen die man, unter Aufsicht, relativ problemlos und relativ schnell zusammenführen kann, kann man bei allen anderen gar nicht vorsichtig genug vorgehen.

Bereiten sie einen Raum mit allem was eine Katze braucht für das neue Tier vor. Die Türe von dem Zimmer ersetzen sie durch eine gleichgrosse Gittertür, sie muss nicht perfekt und schön sein. Ein Provisorium aus Dachlatten, die man sich in jedem Do-it-yourself-Baumarkt passend zuschneiden lassen kann. Normales Kaninchengitter auf dem Holzrahmen befestigt und fertig ist die Gittertür. Der Witz der Installation ist, dass sich die Tiere voneinander getrennt sehen, hören und riechen können. Beide Tiere können sich in aller Ruhe auf die neue Situation einstellen und mit einem Minimum an Stress einander kennen lernen.

Nehmen sie auf keinen Fall Urlaub, wenn sie die zweite Katze zu sich holen. Sie würden die Tiere, ob sie es wollen oder nicht, unter Druck setzen, weil sie es sich natürlich nicht verkneifen könnten, dauernd nachzusehen, ob sich nicht schon irgendein Fortschritt zeigt!

Das Wichtigste der ganzen Aktion ist, dass man nicht alle vorangegangenen Anstrengungen dadurch zunichte macht, dass man das neue Tier aus falsch verstandenem Mitleid zu früh aus dem Zimmer lässt.

Wenn man den Eindruck gewonnen hat, das ist meist nach 3 - 7 Tagen der Fall, dass die Tiere sich füreinander interessieren, keine Angst mehr voreinander haben, nicht mit dem Bauch am Boden herumschleichen, das neue Tier sich nicht mehr versteckt, sie sich nicht mehr anknurren oder anfauchen, dann ist der Zeitpunkt gekommen, wo man mit der ersten Katze unter dem Arm zu der zweiten ins Zimmer gehen kann. Man setzt Katze Nr. 1 ganz ruhig in der Nähe, auf keinen Fall direkt vor ihrer Nase, auf den Boden und harrt der Dinge die da kommen werden. Sollte es Spannungen oder gar Krach geben, nimmt man ganz ruhig Nr. 1 und verlässt mit ihr den Raum wieder. Es war zu früh, die Tiere brauchen mehr Zeit.
Sobald die Besuche im Zimmer bei Nr. 2 freundschaftlich, aggressionsfrei ablaufen, kann man, wenn man zu Hause ist, die Neue in die Wohnung lassen.

Am Anfang ist es ratsam, die Neue wieder hinter das Gitter zu setzen, wenn niemand zu Hause ist. Wenn man keine Geduld hat und Fehler macht, verdirbt man alles und zwar für immer.

Das oberste Gebot ist, keinen Druck ausüben, sensibel beobachten, nie die Geduld verlieren, den Tieren die Zeit lassen, die sie brauchen. Bei dieser Form der Zusammenführung haben sie eine hohe Garantie, dass die Tiere sich nicht nur tolerieren, sondern wirklich mögen.


Copyright Isabella R. Kern